Stereogam

a blog by Sabrina & Lars

Neonmondenschein

Posted By Sabrina on 14. Oktober 2007

Berlin. Exkursion. 3Stunden Zugfahrt in der gehobenen IC-Klasse, ohne Sitzplatzreservierung. Das bekommen wir auch gleich zu spüren, von deutlich älteren und trinkfreudigen Mitbewohnern dieser Erde, die uns von dem schönen Sitzplatz mit Tischchen verscheuchen. Sie haben schließlich Anrecht. Ha, was solls. Wir sind jung, wild und belesen, Rocko Schamoni wartet nur darauf, das du ihn aufschlägst. Und schließlich habe ich ja alles, was ich brauche. Einen netten Sitznachbar, mit dem ich nicht nur musikalische Rundreisen teile, sondern auch einiges an Gelächter. Außerdem habe ich belegte Brote dabei. Da habt ihrs.

Ankommen. Müde und Orientierungslos, ich mehr, die anderen weniger?(!) Der einzige Gedanke erst mal ab in die Regenbogen-Fabrik, wo geschlafen wird, nur nicht von mir, den elendig schweren Rucksack loswerden, der mir immer wieder zweifelnd vor Augen führt, ob es eine gute Idee gewesen war den Laptop mitzunehmen. Komme mir vor wie eine Schildkröte, langsam und müde, die sich durch diese schnelllebige Stadt schleicht. Stetig.

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Treffpunkt um 12h. Guter Dinge machen wir uns auf. Richtung Marzahn. Falsche Richtung, wie wir nach einer halben Stunde feststellen dürfen. Das soll der Running-gag der nächsten Tage werden.

Irgendwann schaffen wir es dann doch am Treffpunkt zu sein. Vorher Schadensbegrenzung mit Brötchen und Kaffee. Strenges Program mit der Semesteraufgabe:

„Es werden bewusst Räume mit überschaubarer Größe gewählt. Ziel der Begegnung ist es, einen kursorischen Schnitt durch unterschiedliche Epochen der Gartengestalt zu bieten. Gleichzeitig sollen gemeinsame Begehung und analytische Erläuterungen zu diesen Räumen den Blick des Studenten schärfen – Basis für die spätere Semesteraufgabe in Osnabrück: Aufarbeitung der gesehen Freiräume als Bausteine zu einem „Landschaftsarchitektenführer“. (Ohhha!)

Abgelaufen werden am 1ten Tag:

Monbijoupark( und Neukonzeption Museumsinsel) ,Schlossplatz, Bebelplatz, Pariser Platz, Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Reichstagsufer, Installation „Grundgesetz 49“ und Tiefenhöfe Paul-Löbe-Haus, Platz der Republik und Bürgerforum, Spreebogenpark, Invalidenpark, Geschichtspark ehemaliges Zellengefängnis Moabit, Park am Moabiter Werder.

Gegen Abend habe ich auch Verständnis für den schnellen Gang der Berliner. Und wir wollen schnell in eine Kneipe , um uns endlich das wohlverdiente Alkohol-Lebensqualität-Gesöff einzuflößen und die plattgelaufenen Füße hochzulegen. Warschauer Platz. Richtung Friedrichshain (war doch so!?)über die Brücke, sofort rechts, runterlaufen und die erste rot erleuchtete Lokalität wird angepeilt. Nachdem ich endlich mein Bananen-Weizen in der Hand halte, das hier anders heißt, denke ich: Ja, Berlin ist laut, schnelllebig und dreckig. Ein einziges Festival. Mir gefällts.

Als ich den ersten Querschnitt in meiner Kehle versenkt habe, muss ich mich langsam auf den Weg machen. Schließlich habe ich noch U-bahn-Abenteuer vor mir. Görlizer Bahnhof Einstieg. Die S-Bahn ist voll. Es ist heiß, bestimmt 30 Grad, gesenkte Blicke, kurzes Aufschauen als das Schildkrötenwesen einsteigt. Kurzer Blick auf den Plan, ein mal umsteigen. Yorckstraße, Verbindung Schöneberg und Kreuzberg. Bloß nicht vom rechten Weg abkommen, Pilze kannst du auch woanders suchen. U-bahn. Gneisenaustrasse ist deine Endstation. Geschafft steige ich aus, finde sofort das Haus mit der netten Schlafmöglichkeit auf dem Sofa. Fantastisch.

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2ter Tag.

Ich habe bereits mit Freude festgestellt, das einiges im Kühlschrank zu finden ist, ich sogar Handtücher hingelegt bekommen habe und das die Nacht zwar kurz, dank eines netten Willkommen-in-Berlin-Gespräches, aber gut war. Zudem bin ich nun Besitzer eines eigenen Schlüssel, was nicht nur praktisch ist, sondern noch mehr das Gefühl bereitstellt ein kurzweiliger Stadtbewohner zu sein. Zumindest für ein paar Tage.

So steige ich also wieder in die U-bahn ein. Die Akkus sind aufgeladen, die Speicherkarten geleert. Wieder bis Yorckstraße, dann umsteigen in die S-Bahn, diesmal zum Sony Center. Potsdamer Platz. So dachte ich zumindest. Während mein erster Gedanke sich noch damit beschäftig, das in Berlin einfach immer viele Menschen auf die Bahn warten, wieselt sich der zweite daneben und mir dämmert es, nach der Anzeige, das heute ja wiedermal Streiks sind. Na super!

Möglichkeiten abschätzen. Ich entscheide mich für den Bus.Durchschlagen. Dank den wirklich netten Menschen auf der Strasse habe ich schnell raus, mit welchem ich fahren muss. Verspätet komme ich also auch am zweiten Tag am Treffpunkt an. Ich werde gefragt, ob ich aus Marzahn komme—hahaha!

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Program „Randwanderung“:

Gärten am Jüdischen Museum, Gärten am Berliner Museum, Theodor-Wolff-Park, Topografie des Terrors, Vorplatz Neues Abgeordneten von Berlin, Wohnhof Dessauer Strasse (Alelier Loidl), Tilla-Durieux-Park („ Prachtgleis“), Kulturforum, Innenhof Sony Center und Henriette-Herz-Park, Leipziger Platz, Schustehruspark, Mierendorffplatz (über Schlossgarten Charlottenburg)

Gegen spätem Nachmittag ist auch der Rest geschafft. Wir entscheiden uns für ein kurzzeitiges Bleiben an der Spree. Füsse entspannen, die Seele baumeln lassen bei Sekt aus der Dose und herrlicher Herbstsonne. Einige haben sich schon zu einem Einkaufmarathon aufgemacht ( „Ich muss unbedingt noch zu H&M!“ Aha, weil es das ja auch nicht zu Hause gibt! )und ich entscheide mich mit Sara einen Bummel am Warschauer Platz zu machen. Selbe Richtung also wie gestern. Langsam wandern wir also durch die kleinen Strassen, entdecken hier und da niedliches Cafe`s , Secondhand-Läden und auch der über alles geliebte Schmuckladen meiner Mitstreiterin wird nicht übergangen. Ich verliebe mich in einige Lampen, Sessel aus den 50ern, alte Platten. Häufig stelle ich mir die Frage, wo fängt hier der Wohnbereich an und wo ist noch der Laden. In Berlin wohnt und arbeitet man anscheinend eng zusammen. Sympatisch.

Der Tag wird gebührend abgeschlossen mit einem fabelhaften Essen und weiteren Bierchen. Das Lokal füllt sich immer mehr, es ist schon spät und schließlich Freitag. Nachdem ich aber nach „Hause“ fahre werden noch einige Fotos bei Nacht geschossen, am Pariser Platz (Brandenburger Tor)und dem Bebelplatz (Bücherverbrennung! wem der Platz nichts sagt). So gegen 2h Nachts mache ich mich dann auf Richtung U-bahn. Zum ersten Mal wird mir richtig bewusst, das diese Stadt einfach immer belebt ist. Nie ist man allein, im Sinne von Sardinenbüchsen-Gedrängel in der U-Bahn.

judendenkmal_fusse_kleiner.jpg

3ter Tag; zur freien Verfügung.

Ich schlafe mich aus, frühstücke schnell aber dekadent mit viel Kaffee und Kippen auf dem Balkon. Die Sonne scheint, ich zieh mir die Jacke über und stürze mich in die belebten Strassen. Richtung Potsdamer Platz, dampfenden Kaffee in der Hand, bin froh, das man hier meinen Namen nicht auf den Pappbecher schreibt, die Strasse runter und den Duft, die Geräuschkulisse, die Menschen aufsaugen. Sich ein wenig verlaufen, dem Strom folgen, Berlinerisch nicht auf die Karte schaun und Touristisch schlendern. Den restlichen Stunden wird gearbeitet, geschaut, aufgeschrieben und abgelaufen. Ja, wieder Pariser Platz, deshalb bin ich ja schließlich hier.

Das Abendprogram wird dann irgendwann auch abgesprochen. Ich fahre in meine Unterkunft, wasche mir die Stadt vom Gesicht und ersetze sie, packe alles zusammen, verabschiede mich von der anderen Welt mit einer Flasche Wein und ein paar gebrannten CD`s als Dankeschön. Ich komme gerne wieder Kreuzberg!

U-Bahn. Schildkrötendasein. Umsteigen. Einsteigen. Aussteigen. Wird schon fast Routine. Rucksack in die Regenbogen-Fabrik bringen. Wir wollen noch einen Freund von Sara besuchen und dann in den Magnet –Club. Nacht durchmachen, morgen um 8:45h fährt der Zug wieder in die Heimat. Und so wars dann auch, ausgepumt aber glücklich verlasse ich die Hauptstadt.

(Weitere Bilder lassen sich demnächst auch im StudiVZ oder bei Flickr sehen)


Comments

3 Responses to “Neonmondenschein”

  1. Lars sagt:

    Sehr gelungen liebe Sabrina. Die Bilder gefallen mir auch sehr gut – auch die bei Flickr! Irgendwas sagt mir aber, dass die Bilder nachbearbeitet sind ;)

    Grüße!!

  2. Sabrina sagt:

    Liebster Lars..die Einen mehr die Anderen weniger…wers kann solls auch zeigen! ;)
    Schön, wenns gefällt!

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